„Schlotti will 'ne  Einraumwohnung!!!“

(der Name des Obdachlosen wird auf eigenen Wunsch hin in diesem Interview durch "Schlotti" oder "Herr XX" ersätzt)


Herr XX, bevor Sie ihre Wohnung verloren, haben Sie zu diesem Zeitpunkt noch gearbeitet?

Ich habe als Bauarbeiter gearbeitet und hatte eine wirklich schöne Wohnung im Vogtland. Das ist aber schon länger her. Ich wohne nämlich schon seit 1997 in unterschiedlichen Heimen. Nach meinem Suizidversuch bin ich in die Frankenberger Wohnung gezogen, aus der ich aber im Sommer 2014 rausgeschmissen wurde.

 

Wie oder Warum haben Sie ihre Wohnung verloren?

Ich konnte nicht hören! Das muss man schon so sagen. Ich liebe die Lieder der „Rolling Stones“  und habe viel zu laut Musik gehört. Davon hatte die ganze Stadt noch was. (lacht) Außerdem war die Wohnung eine reine Müllhalde. Daran war der Alkohol schuld und, dass ich meine Medizin nicht mehr genommen habe. Jedenfalls wurde ich vom Vermieter dann rausgeworfen. Das kommt dann so, wenn man erwerbsunfähig ist und dazu noch schwere gesundheitliche Probleme hat.

 

War es für Sie ein plötzlicher Schock und eine Überraschung, die eigene Wohnung zu verlieren oder kam das eher schleichend und Sie waren sich der Gefahr schon länger bewusst?

Es war meine Schuld, dass ich die Wohnung verlassen musste und natürlich wurde ich öfters ermahnt bis es dann zu spät war.

 

Haben Sie sofort Hilfe bekommen? Wenn ja, welche Art von Hilfe?

In der Psychiatrie habe ich neue Medikamente bekommen. Außerdem wurde vom Amtsgericht ein Mitarbeiter abgestellt, der jetzt mein Betreuer ist. Der kümmert sich ums Geld, meine Post und die Gesundheit. Ich habe einen speziellen Pflegedienst. Voraussetzung dafür ist aber meine psychische Krankheit. Das hat sonst Niemand  hier.

 

Wie lange wohnen Sie jetzt bereits im Frankenberger Obdachlosenheim?

Seit Januar 2015.

 

Wie sieht Ihr Alltag aus? Wie verbringen Sie jetzt ihren Tag?

Ich bin vollkommen auf mich allein gestellt. Ich muss jeden Tag mit schlimmsten Schmerzen kämpfen. Was macht man da schon? Lesen, Fernsehen und trinken.

 

Haben sie Probleme ihren Tag zu gestalten oder wissen Sie mehr oder weniger was Sie tun wollen?

Ich hab hier nichts zu tun. Manchmal treffe ich mich mit anderen Bewohnern vom Obdachlosenheim.

 

Haben Sie auf der Straße oder auch hier im Obdachlosenheim neue Leute kennengelernt, die Ihr Schicksal teilen?

Ja, einige. Aber ich geh nur selten raus. Das sind Gelegenheitskontakte.

 

Gibt es so eine Art Zusammenhalt unter euch (Obdachlosen)? Oder kommt es eher öfters mal zu Streitigkeiten?

Da sag ich nur: „ Beim trinken halten sie alle zusammen!“

 

Besuchen Sie manchmal den Treffpunkt „Lebenswert“ in Frankenberg?

Nein. Ich habe zwar in der Nähe gewohnt, bin aber nicht mehr so mobil.

 

Mussten Sie schon einmal eine Nacht im Freien verbringen?

Nein. Das wär’s ja noch! Das will ich wirklich nicht müssen.

 

Das größte Problem für Viele in so einer Situation ist das Gefühl von der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden. D.h., dass sie auf der Straße schräg angeschaut, ignoriert oder manchmal sogar diskriminiert werden.  Teilen Sie das Gefühl? Was meinen Sie dazu?

Ich werde oft blöd angeschaut und mir rufen Leute manchmal böse Worte nach. Aber das schlimmste Erlebnis war für mich der Tag, an dem ich von einem jungen Mann zusammengeschlagen worden bin. Auf offener Straße! Ohne Grund! Und um ihn herum riefen die anderen: „Schlag in Tod! Schlag ihn Tod!“. An den Verletzungen leide ich auch jetzt noch.

 

Einige Obdachlose wollen nicht in eine Notunterkunft oder in Obdachlosenheime. Haben Sie eine Idee Warum?

Ich wollte auch nicht hierher. Das war die letzte Möglichkeit. Denen geht es vermutlich genauso, aber auf der Straße schlafen wäre für mich undenkbar!

 

Sind Sie trotz Ihrer momentan nicht ganz einfachen Lebenslage den Umständen entsprechend zufrieden? (Wenn nicht, was sollte anders laufen? Hätten Sie Verbesserungsvorschläge?)

Es geht so. Ich wünsche mir mehr Intimsphäre. Der Komfort hält sich in Grenzen und ein richtiges Zuhause ist das Obdachlosenheim für mich nicht.

 

Was wünschen Sie sich noch für ihr eigenes Leben?

Ich will wieder eine eigene Wohnung. Das ist aber schwer, da ich einmal hinausgeworfen wurde und als letzten Wohnsitz das Obdachlosenheim angeben muss. Es findet sich kein Vermieter, der mir noch eine Wohnung geben würde.

 

… dann bedanken wir uns ganz herzlich, dass Sie sich die Zeit  für unser Interview genommen haben und wünschen Ihnen natürlich das Beste für die Zukunft!